Claus Sluter
Niederländischer Bildhauer, Wegbereiter des nördlichen Realismus in Burgund.
Claus Sluter (1340er Jahre in Haarlem – 1405 oder 1406 in Dijon) war ein niederländischer Bildhauer, der ab etwa 1380 im Herzogtum Burgund lebte. Er gilt als der bedeutendste nordeuropäische Bildhauer seiner Zeit und als Wegbereiter des ‚nördlichen Realismus‘, der später in der altniederländischen Malerei aufblühte.
- born
- 1340s, Haarlem
- died
- 1405 or 1406, Dijon
- field
- Sculpture
- nationality
- Dutch
- known_for
- Well of Moses, portal sculptures at Champmol, tomb of Philip the Bold
Lore & Background
Claus Sluter ist erstmals um 1379/1380 im Register der Bruderschaft der Steinmetze und Bildhauer von Brüssel unter dem Namen ‚Claes de Slutere van Herlam‘ verzeichnet. Anschließend zog er nach Dijon, der Hauptstadt des Herzogtums Burgund, wo er von 1385 bis 1389 als Assistent von Jean de Marville, Hofbildhauer von Herzog Philipp dem Kühnen, tätig war. Nach de Marvilles Tod wurde Sluter selbst Hofbildhauer und bekleidete den Rang eines Kammerdieners (valet de chambre) bis zu seinem eigenen Tod, woraufhin sein Neffe Claus de Werve seine Nachfolge antrat.
Sluters bedeutendstes Werk ist der Mosesbrunnen (1395–1403), auch Großes Kreuz genannt, der für das von Philipp dem Kühnen 1383 gegründete Kartäuserkloster Champmol geschaffen wurde. Das Monument umfasste ursprünglich ein Kreuz – vermutlich nur mit Christus und einer knienden Maria Magdalena, auch wenn frühere Gelehrte die Jungfrau Maria und Johannes den Evangelisten annahmen. Das Kreuz und die Terrasse wurden zwischen 1736 und 1789 zerstört, wahrscheinlich durch einen Dacheinsturz. Lebensgroße Figuren alttestamentlicher Propheten und Könige (Moses, David, Daniel, Jeremia, Sacharja und Jesaja) stehen um den sechseckigen Brunnensockel und halten beschriftete Spruchbänder und Bücher. Der Sockel überragt einen Brunnen, und das gesamte Werk ist aus Kalkstein aus Tonnerre und Asnières gefertigt.
Sluter schuf auch das Portal der ehemaligen Totenkapelle in Champmol mit einer Madonna mit Kind am Mittelpfeiler, dem Herzog mit dem heiligen Johannes am linken Gewände und der Herzogin mit der heiligen Katharina am rechten Gewände. Er war für den Hauptteil von Philipps Grabmal verantwortlich, das sich heute im Musée des Beaux-Arts in Dijon befindet, und trug zu den Pleurants (Trauernden) an den Gräbern von Philipp, seiner Frau Margarete und Johann Ohnefurcht bei.
Reader's Guide
Die Bedeutung von Claus Sluter liegt in seiner Rolle als Wegbereiter des nördlichen Realismus, eines Stils, der naturalistische Details und emotionalen Ausdruck in der Bildhauerei betonte und damit die Neuerungen altniederländischer Maler wie Jan van Eyck vorwegnahm. Sein Mosesbrunnen in Champmol ist ein Meilenstein der spätmittelalterlichen Kunst, der typologische Ikonographie – bei der alttestamentliche Figuren die Neue Ordnung buchstäblich stützen – mit einer monumentalen, lebensechten Darstellung der Propheten verbindet. Die physische Struktur des Werks, bei dem der Sockel einen Brunnen überragt, macht das theologische Konzept der Vorausdeutung buchstäblich sichtbar. Sluters Portalskulpturen und Grabfiguren, einschließlich der Pleurants, zeigen ebenfalls seine Meisterschaft in individualisierten, ausdrucksstarken Formen. Sein Vermächtnis lebte durch seinen Neffen und Nachfolger Claus de Werve fort, und seine Werke bleiben Schlüsselbeispiele der burgundischen Hofkunst, die im Musée Archéologique und im Musée des Beaux-Arts in Dijon erhalten sind.
Did You Know?
- Sluter ist um 1379/1380 im Register der Bruderschaft der Steinmetze und Bildhauer von Brüssel als ‚Claes de Slutere van Herlam‘ verzeichnet.
- Der Mosesbrunnen wurde für das von Philipp dem Kühnen 1383 gegründete Kartäuserkloster Champmol geschaffen.
- Das Kreuz auf dem Mosesbrunnen wurde zwischen 1736 und 1789 zerstört, wahrscheinlich durch einen Dacheinsturz.
- Sluter bekleidete als Hofbildhauer Philipps des Kühnen den Rang eines Kammerdieners (valet de chambre).
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