Socrates of Constantinople
Griechischer Kirchenhistoriker des 5. Jahrhunderts, Verfasser der Historia Ecclesiastica.
Sokrates von Konstantinopel (um 380 – nach 439), auch bekannt als Sokrates Scholastikos, war ein griechischer Kirchenhistoriker des 5. Jahrhunderts. Er ist der Verfasser der *Historia Ecclesiastica* (Kirchengeschichte), die die Geschichte des spätantiken Christentums von 305 bis 439 abdeckt. Sein Werk zeichnet sich dadurch aus, dass es die Rolle des Kaisers in kirchlichen Angelegenheiten betont und neben kirchlichen Ereignissen auch die Profangeschichte einbezieht, wobei es sich vom Vorbild des Eusebius von Caesarea löst.
- born
- c. 380
- died
- after 439
- field
- Church history
- nationality
- Greek
- known_for
- Historia Ecclesiastica (Church History, 305–439)
Lore & Background
Sokrates wurde in Konstantinopel geboren. Über sein Leben ist wenig bekannt, abgesehen von dem, was sich aus seiner *Historia Ecclesiastica* erschließen lässt. Seine Lehrer waren die Grammatiker Helladius und Ammonius, die aus Alexandria kamen, nachdem sie 391 an einem gewaltsamen Aufstand beteiligt gewesen waren, der in der Zerstörung des Serapeums gipfelte. Es ist nicht erwiesen, dass er später von den Lehren des Sophisten Troilos profitierte. Sein genauer Beruf ist nicht bekannt, obwohl aus seinem Werk geschlossen werden kann, dass er ein Laie war. In späteren Jahren reiste er und besuchte unter anderem Paphlagonien und Zypern.
Die *Historia Ecclesiastica* umfasst die Jahre 305 bis 439 und wurde wahrscheinlich 439 oder kurz danach, zu Lebzeiten von Kaiser Theodosius II. (vor 450), fertiggestellt. Der Zweck des Geschichtswerks ist es, das Werk des Eusebius von Caesarea fortzusetzen. Es berichtet in einfachem Griechisch, was die Kirche von den Tagen Konstantins bis zur Zeit des Verfassers erlebte, wobei kirchliche Auseinandersetzungen im Vordergrund stehen. Sokrates verteidigt die Behandlung des Arianismus und politischer Ereignisse. Er vermeidet übertriebene Titel für bedeutende Persönlichkeiten und kritisiert Eusebius für dessen übermäßiges Lob Konstantins. Das Werk ist eine der wenigen Quellen über Hypatia und stellt ihre Ermordung als politisch motiviert dar, wobei das Vorgehen des Mobs verurteilt wird.
Reader's Guide
Die *Historia Ecclesiastica* des Sokrates von Konstantinopel ist eine Schlüsselquelle für die Geschichte der christlichen Kirche im 4. und frühen 5. Jahrhundert. Ihre Bedeutung liegt in ihrem ausgewogenen Ansatz: Sokrates vermeidet übertriebene Titel für kirchliche und staatliche Persönlichkeiten und bezieht weltliche Ereignisse mit ein, wodurch er einen breiteren historischen Kontext bietet als rein kirchliche Geschichtswerke. Oft wird angenommen, dass er ein Anhänger des Novatianismus war, doch dies beruht auf seiner wohlwollenden Behandlung der Novatianer und anderer Gruppen; er selbst bezeichnet sich als der Kirche zugehörig. Sein Bericht über die Ermordung Hypatias ist besonders wertvoll, da er eine zeitgenössische Perspektive bietet, die politische Motive über religiöse oder philosophische stellt. Das Werk wurde später mit denen des Sozomenos und Theodoret in einer Kompilation des 6. Jahrhunderts zusammengeführt, wodurch ihre individuellen Darstellungen bis zur modernen Forschung unkenntlich wurden. Die *Historia Ecclesiastica* wurde mehrfach ediert und übersetzt, darunter eine kritische Ausgabe von G. C. Hansen (1995) und eine zweisprachige französische Ausgabe von Pierre Maraval (2004–2007).
Did You Know?
- Die Lehrer des Sokrates, Helladius und Ammonius, kamen aus Alexandria nach Konstantinopel, nachdem sie 391 an einem gewaltsamen Aufstand beteiligt gewesen waren, der das Serapeum zerstörte.
- Die Historia Ecclesiastica ist eine der wenigen Informationsquellen über Hypatia, die Mathematikerin und Philosophin aus Alexandria.
- Sokrates kritisiert Eusebius von Caesarea für dessen übermäßiges Lob von Kaiser Konstantin in dessen Vita Constantini.
- Das Werk wurde 439 oder kurz danach, zu Lebzeiten von Kaiser Theodosius II., fertiggestellt.
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