Max Beckmann
Deutscher Maler, der den Expressionismus ablehnte und die figurative Moderne vorantrieb.
Max Carl Friedrich Beckmann (12. Februar 1884 – 27. Dezember 1950) war ein deutscher Maler, Zeichner, Grafiker, Bildhauer und Schriftsteller. Obwohl er als expressionistischer Künstler eingestuft wird, lehnte er sowohl den Begriff als auch die Bewegung ab. In den 1920er Jahren wurde er mit der Neuen Sachlichkeit in Verbindung gebracht, einer Weiterentwicklung des Expressionismus, die sich gegen dessen introvertierten Emotionalismus wandte. Sein Werk war oft von einer Unterströmung der Bedrücktheit oder Unruhe geprägt und wurde in den 1930er Jahren, zeitgleich mit dem Aufstieg des Nationalsozialismus in Deutschland, expliziter in schreckenerregenden Bildern und verzerrten Formen.
- born
- February 12, 1884
- died
- December 27, 1950
- field
- Painting, drawing, printmaking, sculpture, writing
- nationality
- German
- known_for
- Self-portraits, triptychs, figurative painting with symbolic and social criticism
Lore & Background
Max Beckmann wurde in eine bürgerliche Familie in Leipzig, Sachsen, geboren. Von Jugend an maß er sich mit den alten Meistern. Seine traumatischen Erfahrungen im Ersten Weltkrieg, in dem er sich freiwillig als Sanitäter meldete, fielen mit einer dramatischen Veränderung seines Stils zusammen – von akademisch korrekten Darstellungen hin zu einer Verzerrung von Figur und Raum, die seine veränderte Sicht auf sich selbst und die Menschheit widerspiegelte. Nach einem Nervenzusammenbruch wurde er entlassen. Er ist bekannt für die Selbstporträts, die er sein Leben lang malte, deren Anzahl und Intensität nur von denen Rembrandts und Picassos übertroffen werden. In Philosophie und Literatur belesen, beschäftigte sich Beckmann auch mit Mystik und Theosophie auf der Suche nach dem ‚Selbst‘.
Beckmann hatte während der Weimarer Republik großen Erfolg. 1925 wurde er ausgewählt, eine Meisterklasse an der Städelschule in Frankfurt zu unterrichten. 1927 erhielt er den Ehrenreichspreis für deutsche Kunst und die Goldmedaille der Stadt Düsseldorf. Sein Glück wendete sich mit dem Aufstieg Adolf Hitlers; 1933 bezeichnete die NS-Regierung ihn als ‚Kulturbolschewisten‘ und entließ ihn aus seiner Lehrtätigkeit. 1937 beschlagnahmte die Regierung mehr als 500 seiner Werke aus deutschen Museen und stellte mehrere in der Ausstellung ‚Entartete Kunst‘ aus. Am Tag nach Hitlers Rundfunkrede über entartete Kunst verließ Beckmann mit seiner zweiten Frau Quappi Deutschland in Richtung Niederlande. Er lebte zehn Jahre im selbstgewählten Exil in Amsterdam und scheiterte daran, ein Visum für die USA zu erhalten. 1944 versuchten die Deutschen, ihn zum Militär einzuziehen, obwohl er einen Herzinfarkt erlitten hatte. 1947 nahm er eine Stelle an der St. Louis School of Fine Arts der Washington University an und lehrte später am Brooklyn Museum. Er starb 1950 in New York City an einem Herzinfarkt.
Reader's Guide
Max Beckmanns Bedeutung liegt in seiner trotzigen Ablehnung der gegenstandslosen Malerei und seiner Förderung der figürlichen Tradition, selbst als er Einflüsse von Cézanne, Van Gogh, Blake, Rembrandt, Rubens und Künstlern der Nordischen Renaissance wie Bosch und Bruegel aufnahm. Sein Werk spiegelt die Qualen Europas in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wider, vom dekadenten Glanz des Weimarer Kabaretts bis zu den Brutalitäten der Nazis, und spricht gleichzeitig universelle Themen wie Schrecken, Erlösung und Schicksal an. Er erfand das religiöse Triptychon als Allegorie der zeitgenössischen Menschheit neu. Sein posthumer Ruf litt unter seinem individuellen künstlerischen Weg, der sich einer einfachen Kategorisierung widersetzte. Seit dem späten 20. Jahrhundert hat sein Werk durch Retrospektiven in großen Museen weltweit zunehmend internationale Anerkennung gefunden. Das Saint Louis Art Museum besitzt die größte öffentliche Sammlung seiner Gemälde. Er übte einen tiefgreifenden Einfluss auf amerikanische Maler wie Philip Guston und Nathan Oliveira sowie auf die Bewegung aus, die heute als Amerikanischer Figurativer Expressionismus bekannt ist.
Did You Know?
- Beckmann lehnte den Begriff ‚Expressionist‘ und die Bewegung selbst ab, obwohl er als solcher eingestuft wurde.
- Er malte sein Leben lang Selbstporträts, die in Anzahl und Intensität mit Rembrandt und Picasso konkurrieren.
- Die NS-Regierung beschlagnahmte mehr als 500 seiner Werke aus deutschen Museen und stellte mehrere in der Ausstellung ‚Entartete Kunst‘ aus.
- Sein Gemälde ‚Falling Man‘ (1950) gilt als unheimlich vorausschauend auf die Springer von den Türmen des World Trade Centers während der Anschläge vom 11. September.
Bemerkenswerte Zitate (Wikiquote)
„Zitat von Max Beckmann, aus einer Reihe von Briefen, die er an seine Frau Minna Beckmann-Tube schrieb, während er als Sanitätssoldat an der Front des Ersten Weltkriegs diente.“ – Max Beckmann „[Es ist] trotzdem amüsant, wie sich das Friedensleben, das wir verfluchten und beklagten, nun mit eiserner Logik zum Paradies erhebt …“ – Max Beckmann „Für mich ist das Wichtigste [in einem Bild] die Rundheit, eingefangen in Höhe und Breite. Rundheit in der Fläche, Tiefe im Gefühl der Fläche.“ – Max Beckmann „Wir brüten ständig über Plänen, und die Entscheidung ist schwierig, aber sie kommt bestimmt bald. Die Idee mit Barr ist nicht schlecht und könnte mich überzeugen, deinen Rat zu befolgen, wenn B. sich wirklich einmischt.“ – Max Beckmann
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