Jürgen Habermas
Deutscher Philosoph der kommunikativen Rationalität und der Öffentlichkeit.
Jürgen Habermas war ein deutscher Philosoph und Gesellschaftstheoretiker in der Tradition der Kritischen Theorie und des Pragmatismus. Sein Werk befasste sich mit kommunikativer Rationalität und der Öffentlichkeit, und er wird mit der Frankfurter Schule in Verbindung gebracht. Er hatte Professuren an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg und der Goethe-Universität Frankfurt inne und leitete das Max-Planck-Institut in Starnberg.
- born
- 18 June 1929
- died
- 14 March 2026
- field
- Philosophy, social theory
- nationality
- German
- known_for
- Communicative rationality, public sphere, discourse ethics, the Enlightenment as an unfinished project
Lore & Background
Habermas wurde am 18. Juni 1929 in Düsseldorf, Rheinprovinz, geboren. Er kam mit einer Gaumenspalte zur Welt und unterzog sich in der Kindheit zweimal einer Korrekturoperation; später argumentierte er, dass seine Sprachbehinderung ihn dazu brachte, anders über die Bedeutung tiefer Abhängigkeit und Kommunikation nachzudenken. Er wuchs in einem streng protestantischen Umfeld in Gummersbach auf, wo sein Großvater Direktor des örtlichen Seminars gewesen war. Sein Vater, Ernst Habermas, trat 1933 der NSDAP bei und beriet sie ab 1939. Als Teenager während des Zweiten Weltkriegs trat Habermas auf Betreiben seines Vaters dem Deutschen Jungvolk bei und stieg bis zum Jungvolkführer auf, wobei er Erste-Hilfe-Ausbildungen organisierte und Flugabwehrgeschütze bediente. Nur knapp entging er der Einberufung zur Wehrmacht, kurz bevor amerikanische Truppen in die Nähe seines Wohnorts kamen.
Er studierte an den Universitäten Göttingen, Zürich und Bonn und promovierte im Februar 1954 an der Universität Bonn mit einer Dissertation über Schellings Denken zum Doktor der Philosophie. Nach einer kurzen Tätigkeit als Journalist wurde er 1956 Theodor W. Adornos Forschungsassistent am Institut für Sozialforschung der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main. Konflikte mit Max Horkheimer veranlassten ihn, Frankfurt zu verlassen und seine Habilitation in Politikwissenschaft an der Philipps-Universität Marburg bei Wolfgang Abendroth abzuschließen. Aus seiner Habilitationsschrift von 1961 wurde Der Strukturwandel der Öffentlichkeit. Später hatte er Professuren in Heidelberg und Frankfurt inne und leitete von 1971 bis 1983 gemeinsam das Max-Planck-Institut zur Erforschung der Lebensbedingungen der wissenschaftlich-technischen Welt in Starnberg.
Reader's Guide
Habermas' Bedeutung liegt in der Entwicklung einer Theorie der kommunikativen Rationalität, die in der zwischenmenschlichen sprachlichen Kommunikation gründet, im Gegensatz zu instrumenteller oder strategischer Vernunft. Seine Hauptwerke, Der Strukturwandel der Öffentlichkeit (1962) und Die Theorie des kommunikativen Handelns (1981), lieferten eine Sozialgeschichte des bürgerlichen öffentlichen Diskurses und einen Rahmen zum Verständnis von Rationalität in modernen Institutionen. Er argumentierte, dass die Aufklärung ein ‚unvollendetes Projekt‘ sei, das eher einer Korrektur als einer Aufgabe bedürfe. Als öffentlicher Intellektueller griff er 1986 in den westdeutschen Historikerstreit ein, warf konservativen Historikern vor, den Holocaust zu relativieren, und setzte sich für eine tiefere europäische politische Integration ein. In seinem späteren Werk befasste er sich mit der öffentlichen Rolle der Religion in säkularen Gesellschaften, darunter ein Dialog mit Kardinal Joseph Ratzinger im Jahr 2004. Sein Vermächtnis umfasst das Konzept der Diskursethik und eine anhaltende Fokussierung auf Vernunft, Emanzipation und rational-kritische Kommunikation, die im modernen Leben latent vorhanden sind.
Did You Know?
- Habermas kam mit einer Gaumenspalte zur Welt und unterzog sich in der Kindheit zweimal einer Korrekturoperation.
- Sein Vater, Ernst Habermas, trat 1933 der NSDAP bei und beriet sie ab 1939.
- Während des Zweiten Weltkriegs diente er als Jungvolkführer im Deutschen Jungvolk.
- Seine Habilitationsschrift von 1961 wurde 1989 auf Englisch als The Structural Transformation of the Public Sphere veröffentlicht.
Bemerkenswerte Zitate (Wikiquote)
„Der Sprecher muss einen verständlichen Ausdruck wählen, damit Sprecher und Hörer einander verstehen können.“ — Jürgen Habermas „Habermas (1998) Die Einbeziehung des Anderen: Studien zur politischen Theorie. Hrsg. von Ciaran Cronin und Pablo De Greiff. Cambridge, MA: The MIT Press.“ — Jürgen Habermas „Habermas (2006) ‚Gespräch über Gott und die Welt.‘ Zeit der Übergänge. Cambridge: Polity Press, S. 150-151.“ — Jürgen Habermas „Habermas (1962/1989) Strukturwandel der Öffentlichkeit: Untersuchungen zu einer Kategorie der bürgerlichen Gesellschaft. Übersetzt von Thomas Burger.“ — Jürgen Habermas
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