Martin Heidegger
Deutscher Philosoph, der die Seinsfrage neu aufwarf.
Martin Heidegger (26. September 1889 – 26. Mai 1976) war ein deutscher Philosoph, dessen Werk für die Entwicklung der Phänomenologie, Hermeneutik und des Existentialismus von zentraler Bedeutung war. Sein Hauptwerk „Sein und Zeit“ (1927) gilt weithin als eines der bedeutendsten Werke der modernen Philosophie, das den Begriff des Daseins einführte und die Seinsfrage neu aufwarf. Sein Denken hatte erheblichen Einfluss auf die nachfolgende Philosophie, die Sozial- und Geisteswissenschaften sowie die Theologie und prägte so unterschiedliche Denker wie Jean-Paul Sartre, Hans-Georg Gadamer, Hannah Arendt, Jacques Derrida, Emmanuel Levinas und Richard Rorty.
- born
- 26 September 1889
- died
- 26 May 1976
- field
- Philosophy
- nationality
- German
- known_for
- Being and Time, concept of Dasein, question of being
Lore & Background
Heidegger wurde am 26. September 1889 im ländlichen Meßkirch in Baden als Sohn eines Küsters geboren und katholisch erzogen. 1903 begann er mit der Ausbildung zum Priester, trat 1909 in ein Jesuiten-Seminar ein, wurde aber innerhalb weniger Wochen aufgrund von Herzproblemen entlassen. In dieser Zeit begegnete er erstmals dem Werk Franz Brentanos, das sein Interesse an der Seinsfrage weckte. Er studierte Theologie und scholastische Philosophie an der Universität Freiburg, brach die Priesterausbildung 1911 ab und konzentrierte sich auf die neuere Philosophie, insbesondere Edmund Husserls „Logische Untersuchungen“. 1914 promovierte er mit einer Arbeit über den Psychologismus und habilitierte sich 1915 über Duns Scotus. Nachdem er im letzten Jahr des Ersten Weltkriegs in einer meteorologischen Einheit gedient hatte, lehrte er von 1919 bis 1923 als Assistent Husserls in Freiburg. 1923 wurde er außerordentlicher Professor an der Universität Marburg, wo zu seinen Studenten Hans-Georg Gadamer, Hannah Arendt und Karl Löwith gehörten. 1927 veröffentlichte er „Sein und Zeit“, was ihm internationale intellektuelle Bekanntheit verschaffte. 1928 folgte er Husserl als Professor für Philosophie in Freiburg nach, wo er für den Rest seines Lebens blieb.
Reader's Guide
Heideggers Bedeutung liegt in seiner Neuausrichtung der Philosophie auf die Seinsfrage, die seiner Ansicht nach seit den antiken Griechen vernachlässigt worden war. In „Sein und Zeit“ analysierte er die menschliche Existenz als Dasein und betonte die einheitliche Struktur des „In-der-Welt-Seins“ und ein vor-ontologisches Seinsverständnis. Sein späteres Werk wandte sich der Technik, der Sprache, der Kunst und der Dichtung zu und kritisierte die nihilistische Entwicklung der modernen technologischen Zivilisation. Sein Vermächtnis wird jedoch durch seine Verstrickung in den Nationalsozialismus tiefgreifend kompliziert. Er wurde im April 1933 zum Rektor der Universität Freiburg gewählt, trat im Mai 1933 der NSDAP bei und behielt die Mitgliedschaft bis 1945. Er unterstützte Adolf Hitler und unterzeichnete das „Bekenntnis der deutschen Professoren zu Adolf Hitler“. Nach dem Krieg wurde ihm im Zuge der Entnazifizierung die Lehrtätigkeit untersagt; dieses Verbot wurde 1949 aufgehoben. Er distanzierte sich nie öffentlich von seinen NS-Verstrickungen oder drückte eindeutig Reue aus, und die Frage, ob seine Philosophie inhärent mit seinen politischen Entscheidungen verbunden ist, bleibt Gegenstand erheblicher wissenschaftlicher Kontroversen.
Did You Know?
- Heideggers Interesse an der Seinsfrage wurde erstmals durch die Lektüre von Franz Brentanos Dissertation „Von der mannigfachen Bedeutung des Seienden nach Aristoteles“ geweckt.
- Er diente im letzten Jahr des Ersten Weltkriegs in einer meteorologischen Einheit an der Westfront, nachdem er als kampfuntauglich eingestuft worden war.
- Im Herbst 1944 wurde er zum Volkssturm eingezogen und zum Ausheben von Panzergräben entlang des Rheins abkommandiert.
- Sein Werk „Beiträge zur Philosophie (Vom Ereignis)“, das von manchen als sein zweitwichtigstes angesehen wird, wurde erst 1989, 13 Jahre nach seinem Tod, veröffentlicht.
Bemerkenswerte Zitate (Wikiquote)
„Die Größe des Menschen bemisst sich danach, was er sucht, und nach der Dringlichkeit, mit der er ein Suchender bleibt.“ – Martin Heidegger „Der Wunsch, vom Standpunkt der Standpunktlosigkeit aus zu philosophieren, als einer angeblich echten und überlegenen Objektivität, ist entweder kindisch oder, wie meistens der Fall, unaufrichtig.“ – Martin Heidegger „Warum ist überhaupt Seiendes und nicht vielmehr Nichts? Das ist die Frage.“ – Martin Heidegger „Why are there beings at all, and why not rather nothing? That is the question.“ – Martin Heidegger
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