Joseph Schumpeter
Österreichischer Ökonom, der die schöpferische Zerstörung populär machte.
Joseph Alois Schumpeter war ein österreichischer politischer Ökonom, der 1919 kurzzeitig als Finanzminister Österreichs amtierte. 1932 emigrierte er in die Vereinigten Staaten, um Professor an der Harvard University zu werden, wo er bis zum Ende seiner Karriere blieb, und erhielt 1939 die amerikanische Staatsbürgerschaft. Er gilt als einer der einflussreichsten Ökonomen des frühen 20. Jahrhunderts und machte den von Werner Sombart geprägten Begriff der „schöpferischen Zerstörung“ populär. Sein Hauptwerk wird allgemein als *Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie* angesehen.
- born
- February 8, 1883, Triesch, Habsburg Moravia (now Třešť, Czech Republic)
- died
- January 8, 1950
- field
- Political economy
- nationality
- Austrian; later American (1939)
- known_for
- Creative destruction, theory of business cycles, entrepreneurship
Lore & Background
Schumpeter wurde 1883 in Triesch, Habsburgermonarchie Mähren, als Sohn deutschsprachiger katholischer Eltern geboren. Sein Vater starb, als er vier Jahre alt war, und 1893 zog er mit seiner Mutter nach Wien. Er wurde am Theresianum ausgebildet und studierte Rechtswissenschaften an der Universität Wien bei Eugen von Böhm-Bawerk, wo er 1906 promovierte. 1909 wurde er Professor an der Universität Czernowitz und später 1911 an der Universität Graz, wo er bis zum Ersten Weltkrieg blieb. 1913–1914 lehrte er als Gastprofessor an der Columbia University und erhielt einen Ehrendoktortitel.
Reader's Guide
Schumpeters Bedeutung liegt in seiner dynamischen, innovationsbasierten Sicht des Kapitalismus als evolutionären Prozess der „schöpferischen Zerstörung“. Er argumentierte, dass der Kapitalismus nur durch kontinuierliche Innovation und die Zerstörung bestehender Strukturen verstanden werden könne. Seine Arbeit zu Konjunkturzyklen integrierte mehrere Zyklenlängen – Kondratjew, Kuznets, Juglar und Kitchin – in ein zusammengesetztes Modell. Er lehnte den Marxismus ab, glaubte jedoch, dass der Triumph des Sozialismus auf lange Sicht unvermeidlich sei. Sein posthum veröffentlichtes Werk *Geschichte der ökonomischen Analyse* kritisierte den „Ricardianischen Fehler“ der abstrakten Modellbildung bei Ricardo und Keynes. Trotz antisemitischer Ansichten war er ein engagierter Lehrer in Harvard, bekannt für hohe Lehrbelastungen und persönliches Interesse an den Studenten. Sein Vermächtnis umfasst die Beeinflussung der Evolutionsökonomik und der Erforschung des Unternehmertums.
Did You Know?
- Schumpeter amtierte 1919 als Finanzminister Österreichs und schlug eine Kapitalabgabe zur Bewältigung der Kriegsschulden vor.
- Während des Zweiten Weltkriegs wurde er vom FBI wegen mutmaßlicher Nazi-Sympathien untersucht, es wurden jedoch keine Beweise gefunden.
- Schumpeter betrachtete Léon Walras als den „größten aller Ökonomen“.
- Sein Hauptwerk *Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie* wurde 1942 veröffentlicht.
Bemerkenswerte Zitate (Wikiquote)
„Joseph Alois Schumpeter (8. Februar 1883 – 8. Januar 1950) war ein Ökonom aus Österreich und ein einflussreicher Politikwissenschaftler.“ — Joseph Schumpeter „Ökonomen haben ihre Analysen nie von den Psychologen ihrer Zeit beeinflussen lassen, sondern stets eigene Annahmen über psychische Prozesse formuliert, die ihnen wünschenswert erschienen.“ — Joseph Schumpeter „Das Erste, was ein Mensch für seine Ideale tut, ist zu lügen.“ — Joseph Schumpeter „Diese Zivilisation vergeht jedoch schnell. Lasst uns uns darüber freuen oder trauern, wie jeder von uns mag; aber verschließen wir nicht die Augen davor.“ — Joseph Schumpeter
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