Robert Mundell
Kanadischer Wirtschaftswissenschaftler, der Pionierarbeit zu optimalen Währungsräumen und angebotsorientierter Wirtschaftspolitik leistete.
Robert Alexander Mundell (24. Oktober 1932 – 4. April 2021) war ein kanadischer Wirtschaftswissenschaftler und Professor an der Columbia University, der McGill University und der Chinesischen Universität Hongkong. Für seine bahnbrechenden Arbeiten zur Gelddynamik und zu optimalen Währungsräumen erhielt er 1999 den Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften und gilt als ‚Vater‘ des Euro, da er die Grundlagen für dessen Einführung legte. Er war zudem maßgeblich an der Entstehung der angebotsorientierten Wirtschaftspolitik beteiligt.
- born
- October 24, 1932, Kingston, Ontario, Canada
- died
- April 4, 2021
- field
- Economics
- nationality
- Canadian
- known_for
- Optimum currency areas, Mundell–Fleming model, Mundell–Tobin effect, supply-side economics, father of the euro
Lore & Background
Mundell wurde in Kingston, Ontario, als Sohn von Lila Teresa Hamilton und William Mundell, einem Militäroffizier, geboren. Er verbrachte seine frühen Jahre auf einer Farm in Ontario und zog nach dem Zweiten Weltkrieg nach British Columbia, wo er die High School abschloss und an Box- und Schachturnieren teilnahm. Er erwarb einen Bachelor of Arts in Wirtschaftswissenschaften und Russisch an der University of British Columbia, studierte an der University of Washington und promovierte am Massachusetts Institute of Technology, wobei er auch an der London School of Economics studierte. 2006 erhielt er die Ehrendoktorwürde der Rechte von der University of Waterloo.
Seine Karriere umfasste Lehrtätigkeiten an der Stanford University, der Johns Hopkins University, der University of Chicago und dem Graduate Institute of International Studies in Genf. 1961 arbeitete er für den Internationalen Währungsfonds und war als Wirtschaftsberater für die Vereinten Nationen, den IWF, die Weltbank, die Europäische Kommission, das Federal Reserve Board, das US-Finanzministerium sowie die Regierungen Kanadas und anderer Länder tätig. Von 1974 bis zu seinem Tod war er Professor an der Columbia University, ab 2001 im Rang eines University Professor. Er hatte zudem die Repap-Professur an der McGill University inne.
Mundell ist vor allem für das gemeinsam mit Marcus Fleming 1962 entwickelte Mundell-Fleming-Modell der Wechselkurse bekannt, das die Unmöglichkeit demonstrierte, gleichzeitig geldpolitische Autonomie, feste Wechselkurse und freie Kapitalströme zu erreichen. Seine Analyse des Bretton-Woods-Systems veranlasste ihn, die Inflation der 1970er Jahre vorherzusagen und drastische Steuersenkungen zu befürworten. Seine Princeton-Abhandlung von 1971 ‚Der Dollar und der wirtschaftspolitische Mix‘ gilt als Begründung der angebotsorientierten Wirtschaftspolitik.
Reader's Guide
Robert Mundells Bedeutung liegt in seinen grundlegenden Beiträgen zur internationalen Geldwirtschaft und der praktischen Schaffung des Euro. Seine theoretische Arbeit zu optimalen Währungsräumen lieferte die intellektuelle Grundlage für die Europäische Währungsunion und brachte ihm den Titel ‚Vater des Euro‘ ein. Das Mundell-Fleming-Modell bleibt ein zentraler Rahmen für das Verständnis der Wechselkurspolitik und der Zwänge des makroökonomischen Trilemmas. Sein Eintreten für die angebotsorientierte Wirtschaftspolitik beeinflusste die Debatten über Steuerpolitik, insbesondere in den Vereinigten Staaten. Sein Vermächtnis ist jedoch nicht unumstritten: Kritiker wie Greg Palast argumentierten, der Euro habe die demokratische Kontrolle über die Geldpolitik beseitigt und in Krisenzeiten Austerität erzwungen. Mundell selbst lehnte eine Fiskalunion und eine Vergemeinschaftung von Schulden ab. Seine Vorhersage, die Eurozone werde bis 2010 auf 50 Länder anwachsen, bewahrheitete sich nicht. Insgesamt prägten seine Arbeiten das moderne Zentralbankwesen, Währungsunionen und das Zusammenspiel von Fiskal- und Geldpolitik.
Did You Know?
- Mundell nahm während seiner Highschool-Zeit in British Columbia an Box- und Schachturnieren teil.
- Er promovierte am Massachusetts Institute of Technology, während er auch an der London School of Economics studierte.
- Mundell sagte die Inflation der 1970er Jahre voraus und befürwortete 1974 drastische Steuersenkungen.
- Im Jahr 2000 empfahl er Kanada, den Wert seiner Währung dauerhaft an den US-Dollar zu koppeln.
Bemerkenswerte Zitate (Wikiquote)
"Robert Alexander Mundell, CC (geboren am 24. Oktober 1932 – gestorben am 4. April 2021) ist ein kanadischer Wirtschaftswissenschaftler. Derzeit ist er Professor für Volkswirtschaftslehre an der Columbia University und der Chinesischen Universität Hongkong." – Robert Mundell "Der Euro ist der Weg, wie Kongresse und Parlamente aller Macht über die Geld- und Fiskalpolitik beraubt werden können. Die lästige Demokratie wird aus dem Wirtschaftssystem entfernt." – Robert Mundell "Die Idee, der Euro sei ‚gescheitert‘, ist gefährlich naiv. Der Euro tut genau das, was sein Urheber – und die wohlhabenden 1 %, die ihn einführten – vorhergesagt und geplant hatten." – Robert Mundell
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